Ein ewiges Streitthema unter Hundehaltern, Tierärzten und Tierschützern ist die Kastration von Tieren. Jeder hat sicherlich eine eigene Meinung zum Thema und sicher hat auch jeder schon einmal eine andere Meinung mit anderen Argumenten zu hören bekommen. Noch vor wenigen Jahren wurde alles kastriert was nicht bei drei auf den Bäumen war, Kastrationen galten als Allheil-Mittel für so manches Verhaltensproblem und man schien eine ähnliche Populationsexplosion bei Hunden zu erwarten wie man sie heute oftmals in Süd- und Osteuropa beobachten kann.

Ich selbst bin mittlerweile der Meinung, dass die Sinnhaftigkeit und die Notwendigkeit der Kastration eines Hundes immer eine Einzelfallentscheidung sein sollte. Eine Kastration hat schließlich nicht nur Vorteile und vereinfacht auch nicht alles. Und zu guter Letzt ist die vorbeugende Kastration genau genommen ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, in dem es heißt, dass dem Tier keine Organe ohne vernünftigen Grund entnommen werden dürfen (aus diesem Grunde kam auch das Kupierverbot in Deutschland auf, was bis auf einige wenige Ausnahmen das Kupieren von Ohren und Rute in Deutschland verbietet). Es gilt also gemeinsam mit dem Tierarzt eine genaue Risiko-Nutzen-Abwägung zu machen.

Vor einigen Monaten führten wir selbst diese Kastrationsberatung mit unserem Tierarzt. Da wir es bei Pucky mit einer Hündin zu tun haben, wird sie geschätzt zweimal im Jahr eine Läufigkeit durchlaufen. Das würde zu einigen Problemen führen: Pucky selbst hätte Stress, die anderen anwesenden Hunde hätten Stress und wir hätten alle Hände damit zu tun, einen ungewollten Deckakt zu verhindern. Hinzu kommt, dass man bei einer Kastration vor der vierten Läufigkeit das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen vermindern kann. Aber gleichzeitig bedeutet das auch die Entscheidung, nie Welpen von Pucky zu haben. Es gibt zwar mittlerweile auch bei Hündinnen die Möglichkeit, die Läufigkeit mit Medikamenten zu unterdrücken (in etwa analog zur chemischen Kastration beim Rüden), jedoch soll man das nicht öfter als 4 Mal machen lassen. Eine Kastration bietet aber nicht nur Vorteile. Kürzlich las ich von einer Studie, die sich mit negativen Aspekten der Kastration beschäftigt hat. So findet bei kastrierten Hündinnen zwar kein Zyklus mehr statt, was aber für das Training manches Aggressionsproblemes manchmal gar nicht so schlecht wäre. Schließlich schüttet der Körper der Hündin in einer bestimmten Zyklusphase Hormone aus, die die Grundstimmung der Hündin deutlich besänftigen können. Aber auch medizinisch sieht man jetzt in Langzeitstudien Nachteile einer Kastration von Hunden beider Geschlechter. Bereits länger bekannt sind Risiken wie Haarkleidveränderungen (vorwiegend Langhaarrassen), Harninkontinenz (vorwiegend schwere Hunde) und die oft gefürchtete Fettleibigkeit; aber vor einigen Monaten wurde in der oben erwähnten Studie (von Christine Zink) festgestellt, dass andere Krebsarten bei kastrierten Hunden (Rüde und Hündin) häufiger und früher auftraten als bei unkastrieren Hunden. Die fehlenden Hormonschwankungen sollen sogar eine Infektanfälligkeit begünstigen. Ziemlich sicher ist man sich auch, dass eine Schilddrüsenunterfunktion fast ausschließlich bei kastrierten Tieren vorkommt. Und erfolgt die Kastration noch vor der ersten Läufigkeit bzw vor der ‚Pubertät‘ des Rüden, können daraus Lücken in der Persönlichkeitsbildung des Hundes entstehen, die zu schweren Verhaltensproblemen, wie übertriebener Ängstlichkeit führen können. Dieser Blogartikel eines Tierarztes beschäftigt sich intensiv mit dem Thema und der Studie.

Wenn es also um die Frage nach der Kastration geht sollte man mit einem oder auch mit mehreren Tierärzten für das eigene Tier genauestens abwägen, welche Möglichkeiten man hat. Sicherlich gibt es immer noch für viele Hunde gute Gründe FÜR eine Kastration (wie beispielsweise bei uns die Haltungsbedingungen) aber eben nicht für alle.

Pucky hat ihren Termin Ende Januar und ich bin sehr froh, einen Tierarzt zu haben, der mich über die verschiedenen Möglichkeiten und Risiken aufgeklärt hat. Und jeden, der über eine Kastration seines Tieres nachdenkt, rate ich, sich ebenso genauestens zu informieren und abzuwägen, ob eine Kastration für das eigene Tier überhaupt sinnvoll ist oder ob nicht auch andere Möglichkeiten wie simple Management-Maßnahmen genügen um stressfrei durchs Hundeleben zu gehen.

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