Du kommst hier net rein!

So oder so ähnlich müssen wohl schon viele Hundehalter bei diversen Hundeschulen abgespeist worden sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass bei mir immer wieder Hundehalter anrufen und sich direkt dafür entschuldigen, dass ihr Hund kein Welpe mehr ist und sie nun trotzdem an der Grunderziehung arbeiten möchten. Natürlich werden die Grundsteine für eine solide Erziehung im Normalfall bereits im Welpenalter gelegt. Aber was ist mit den Fällen, in denen der Hund erst später in die Familie gekommen ist? Oder in denen die Halter bisher einfach eine Grunderziehung noch nicht für nötig hielten? Wenn diese Menschen nun ihre Meinung ändern, sich und ihrem Hund mehr Lebensqualität spendieren möchten und sich auch mit einem älteren Hund noch für eine Verbesserung ihrer – meist problembehafteten – Beziehung interessieren? Dann werden Sie scheinbar häufig von Hundeschulen abgelehnt mit teilweise fadenscheiningen Begründungen. Der Hund sei zu alt um zu lernen, heißt es da zum Beispiel. Ist das so?

Kann ein Hund ab einem bestimmten Alter nichts mehr lernen?

Dabei sagt doch ein altes Sprichwort, dass auch alte Hunde neue Tricks lernen können.

Und so ist es auch laut meinen Erfahrungen. Ich habe schon viele Hunde jenseits des Welpenalters durch die Grunderziehung oder durch die Arbeit an bestimmten Problemverhalten, wie zum Beispiel Leinenaggression begleitet. Natürlich lernt ein Hund nie wieder so schnell wie im Welpenalter. Das tun wir Menschen aber auch nicht. Oder wem fällt es heute nicht schwerer mit den technischen Fortschritten mitzuhalten, als noch vor 10 Jahren?

Hinzu kommt natürlich, dass ein eingespieltes (Fehl-)Verhalten, meist schon über eine lange Zeit besteht. Zu einem Großteil, sind sich die Hundehalter auch nicht bewusst, woher dieses Verhalten bei Ihrem Hund stammt. Manchmal haben Sie den Hund schon mit – oder trotz – diesen Verhaltens übernommen – von Privatpersonen oder Tierschutzvereinen oder sonstigem. Für Hunde ist es schwer, ein einmal gefestigtes Verhalten wieder abzulegen. Dies kann nur mit gezieltem Training und einem kompetenten Hundetrainer geschehen. Und natürlich ist vor allem der Besitzer gefragt.

Ein Beispiel:

Es meldete sich ein Hundehalter bei mir und berichtete über seinen Hund: Hierbei handelte es sich um eine 8jährige 50-Kilo-Hündin, die sich aggressiv gegenüber Artgenossen verhielt und auch schon einen Hund schwer verletzt hatte. Mit anderen Worten. Die Dame stand kurz davor, als Gefahrhund eingestuft zu werden. Laut dem Bericht des Halters, zeigte die Hündin dieses Verhalten bereits über Jahre und er traute sich mittlerweile nicht mehr zu, mit dem Hund in die Stadt zu fahren. Hundebegegnungen meidete er so gut wie möglich. In mehreren Terminen lernte ich Hund und Halter genauer kennen, vermittelte dem Halter, worauf er achten solle und wie er seinen Hund im Falle einer Hundebegegnung händeln konnte. Gleichzeitig lernte die Hündin Begegnungen mit Hunden über große Distanzen, die nach und nach verringert wurden, mit etwas positivem zu verknüpfen. Ich will ehrlich sein. Dass der Hund jemals mit anderen Hunden friedlich umgehen würde können, habe ich nie erwartet, das wäre in diesem speziellen Fall utopisch gewesen. Das habe ich dem Hundehalter auch direkt am Anfang des Trainings eindeutig vermittelt. Aber es sollte zumindest möglich sein, den Hund so zu lenken und mit ihm so umzugehen, dass von ihm keine bzw. bedeutend weniger Gefahr für andere Hunde ausgeht, und zwar ohne, dass man nur noch nachts spazieren geht, wenn kein anderer Hund auf der Strasse ist. Ich arbeitete geduldig mit Hund und Halter und innerhalb eines halben Jahres Intensivtrainings war es wieder möglich, den Hund mit in die Stadt zu nehmen, und gesittet hindurch zu gelangen.

Mittlerweile habe ich viele solcher oder ähnlich gelagerter Fälle begleitet und kann für mich daraus erkennen, dass ältere und alte Hunde sehr wohl noch fähig sind, etwas zu lernen, oder an einem Problemverhalten zu arbeiten.

Natürlich geht das bei diesen Hunden nicht mehr so schnell, wie bei Welpen. Dafür bringen viele von Ihnen schon einiges an Lebenserfahrung und innerer Ruhe mit. Und sowohl bei Welpen als auch bei älteren Hunden ist einer der wichtigsten Aspekte im Training, dass der Halter motiviert ist und auch ausserhalb des Trainings in seinem möglichen Rahmen so viel wie möglich mit dem Hund übt. Ich sehe also keine Schwierigkeiten darin, auch ältere Hunde in meine Grunderziehungskurse aufzunehmen, im Gegenteil, ich finde es höchst interessant, auch für diese Halter-Hund-Teams den richtigen Ausbildungsweg zu finden und ihnen gemeinsam zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.

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