Fipronil ist derzeit in aller Munde – weil es genau da eben nicht hingehört. Etliche Lebensmittelhändler haben Eier komplett aus dem Verkauf genommen und mittlerweile wird auch Hühner- und Putenfleisch stichprobenartig untersucht, auch wenn es bisher keinerlei Hinweise auf Belastung desselbigen gibt.
 
Bei Fipronil handelt es sich um ein „systemisches Pflanzenschutzmittel“, welches als Kontaktgift schnell und dauerhaft gegen Ackerschädlinge, Zecken, Flöhe, verschiedene Milbenarten etc. wirkt.
 
Die Verwendung des Insektizids ist bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen verboten und das hat auch seinen Grund. Fipronil führte in Tierversuchen zu Schädigungen an Nervensystem und Leber Fipronil wird auch nicht wieder vom Körper abgebaut und selbst das Kochen der Eier sorgt nicht für den Zerfall des Mittels. Man nimmt es also in jedem Fall zu sich, wenn man belastete Eier isst, oder Produkte, für deren Verarbeitung belastete Eier verwendet wurden (und jetzt fragen wir uns doch spasseshalber mal, welche Lebensmittel und Gerichte ohne Eier und Eiprodukte, wie Nudeln, auskommen).
 
Was aber immer noch viel zu wenig Tierbesitzer wissen. Genau DIESES Mittel findet man in derzeit 61 Präparaten für Hund, Katze und Frettchen. Dort kommt genau dieses Mittel zur Anwendung und zwar zur (vorbeugenden) Behandlung von Ektoparasiten wie Flöhen und Zecken. Die bekanntesten Präparate sind wohl Frontline, Effipro und Fiproline/Fipralone.
 
Jetzt wird es bei dem ein oder anderen vielleicht klingeln. Für den Rest: Floh-/Zeckenhalsbänder und Umgebungssprays sowie SpotOns sind die Stichworte.
 
Teilweise werden diese Mittel ganzjährig auf den Tieren verwendet. Das sind übrigens genau die Medizinprodukte, bei denen in der Anleitung steht, man solle das Tier nach dem Anlegen des Halsbandes bzw. nach dem Beträufeln mit dem SpotOn an diesen Stellen für einige Zeit nicht streicheln und schon gar nicht Kinder mit den Tieren schmusen lassen.
 
Für das Tier selbst, werden die Mittel als ungefährlich angepriesen, wobei mir schon oft von Unverträglichkeiten bis hin zu offenen Stellen im Schulterbereich berichtet wurde. Aber selbst ohne offene Stellen, müssen wir uns doch nur mal überlegen, wie diese Mittel wirken. Fipronil wird mittels SpotOn, Spray oder Halsband auf das Tier aufgebracht und gelangt von dort unter die Haut des Tieres (vornehmlich wohl in die Talgdrüsen). Von diesen Drüsen aus erfolgt eine kontinuierliche Freisetzung und Verteilung über den gesamten Körper des Tieres. Der Wirkstoff wird also sehr wohl vom Körper aufgenommen (wenn auch zu einem geringeren Anteil, als andere Medikamente, die sich über die Blutbahn verteilen).
 
Kommen nun Parasiten wie Zecken oder Flöhe auf das Tier, müssen diese nicht zwingend Blut saugen, um das Fipronil aufzunehmen. Nein, Fipronil ist ein Kontaktgift und wird quasi schon von den Parasiten aufgenommen, wenn sie nur das Haarkleid oder die Haut des Tieres berühren.
 
Ist doch super mag sich der ein oder andere jetzt denken, denn wie viele wissen, werden z.B. durch Zecken übertragbare Krankheiten erst beim Saugakt übertragen. Der Gedankengang ist also: Parasit kommt auf Tier – Parasit erhält über Fell und Haut seine Dosis Fipronil – Parasit fällt tot um, und das natürlich sofort.
 
Hm…nunja leider ist es doch nicht ganz so einfach. Denn Frontline schreibt z.B. selbst auf seiner Seite, dass Flöhe innerhalb von 24h nach Kontakt sterben und Zecken innerhalb von 48h. Hat man sich aber mal mit den Parasiten beschäftigt, weiß man, dass diese dann eben locker noch 1 bzw. 2 Tage Zeit haben Blut zu saugen – und damit Krankheiten zu übertragen.
 
Die Fipronil-Medikamente reduzieren also die Blutsaug-Zeit, können aber letztlich eine Infektion mit Krankheiten wie Ehrlichiose, Babesiose und Co. nicht vollständig verhindern; das kommt auf die einzelne Zecke und ihre bewirteten Krankheiten an.
 
Aber zurück zum Thema. Wir geben also ein Mittel auf Hunde, Katzen und Frettchen (und manchmal leider auch auf andere Tiere wie Kaninchen, selbst wenn das in den Gegenanzeigen der Medikamente steht!), welches in den Tierkörper gelangt, sich dort anreichert und nur schwer wieder abgebaut werden kann.
 
Ein Mittel, welches gerade Auslöser einer beginnenden Eierhysterie in Deutschland, Belgien und den Niederlanden ist (und sich weiter ausbreitet).
 
Ein Mittel, dessen Verwendung nicht zugelassen ist, für Tiere „die zur Lebensmittelgewinnung dienen“.
 
Ein Mittel, bei dessen Verwendung davon abgeraten wird, das Tier in den ersten Tagen zu streicheln und zu beschmusen, um Kontakt mit UNSERER Haut zu vermeiden. Ein Mittel, welches als Warnhinweis enthält, sich nach der Verwendung gründlich die Hände zu waschen.
 
Oh, und bitte – nur mal als meine persönliche Ergänzung – achtet auch darauf, dass die Tiere nicht miteinander spielen, denn sie könnten versehentlich dabei das Halsband bzw. das Medikament aus dem Haarkleid des anderen Tieres aufnehmen (macht sich z.B. besonders gut auch bei Katzen, die sich selbst putzen).
 
Das muss man sich tatsächlich mal auf der Zunge zergehen lassen – man verzeihe mir bitte das Wortspiel.
 
Wie groß die Kreise noch werden, die der Fipronil-Skandal noch ziehen wird, weiß wohl im Moment keiner. Aber wir sollten uns bewusst sein, dass das Mittel, vor dem wir gerade eine solche Panik schieben, ein Mittel ist welches wir vielleicht schon seit Jahren für unser Haustier anwenden.
 
Vorbeugend! Das muss man sich mal vorstellen. Um einen evtl. Befall mit Parasiten und damit die Übertragung von Krankheiten zu verhindern (was ja nicht mal sicher gegeben ist aufgrund der Dauer vom Kontakt bis zum Tod des Parasiten!) behandeln wir unsere Tiere mit einem Kontaktgift, welches sich im Körper ablagert, nur schwer wieder aus dem Körper zu bekommen ist und bitte schon gar nicht oral aufgenommen werden soll.
 
Fipronil ist übrigens auch für Haustiere nicht unbestritten. Zu den möglichen unerwünschten Nebenwirkungen zählen vermehrter Speichesfluss, Hautreaktionen, Juckreiz, Haarausfall und auch Störungen des zentralen Nervensystems. Bei einer Überdosierung kann es zu einer übersteigerten Erregbarkeit, Krämpfen, Zittern und schlimmstenfalls zum Tod des Tieres kommen. Auch wird von einigen Wissenschaftlern angenommen, dass der Wirkstoff Krebs auslösend wirken soll.
 
Übrigens:
Pucky ist jetzt 3,5 Jahre. In diesen 3,5 Jahren hatte sie, wenn überhaupt EINE einzige Zecke! Trotz ihres langen Wuschelfells. Und ganz ohne Frontline, Effipro und wie sie alle heißen. Auch Boogy hatte seit seiner Rückkehr hierher keine einzige Zecke.
 
Beide werden NICHT vorbeugend behandelt. Ihr Immunsystem scheint so gut zu funktionieren, dass sie für Parasiten gänzlich uninteressant sind (yeah, geiles Futter -> geiles Immunsystem -> keine Parasitenprobleme). Und selbst wenn, würde ich nur zu einer natürlichen Vorbeugung greifen. Es gibt mittlerweile von einigen Firmen chemiefreie Parasitenmittel, zu denen ich auch gerne berate.
 
Das Fipronil, welches gerade durch die Geflügelbetriebe und Eierproduktionen geistert, hat bei mir auch nichts auf Hund, Katze und Co. zu suchen.
 
 
 
 

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