Hundebegegnungen – ein schwieriges und brisantes Thema. Dabei sind Hundebegegnungen an sich ja überhaupt nichts schlechtes, ganz im Gegenteil. Die Hunde bekommen Sozialkontakt, den sie sonst sowieso schon viel zu wenig haben.

Warum aber verhalten sich viele Hunde dann bei Hundebegegnungen wie Leinen-Rambos? Die Gründe sind vielfältig.

Bringen wir einen Hund in eine (neue) Situation, hat das Tier 4 Möglichkeiten, in Fachkreisen sagt man die 4-F-Reaktionen:

          • Fight – Kämpfen
          • Flight – Flucht
          • Freeze – Erstarren
          • Fiddle out/Flirt – Übersprungshandlung

Hierzu sei zu sagen, dass bei vielen Hunden das Erstarren nicht gezeigt wird und die Übersprungshandlung meist in Kombination oder als Vorstufe der ersten beiden Reaktionen angesehen werden kann.

Aus evolutionärer Sicht macht eine Kampfreaktion wenig Sinn, denn kein Tier legt es freiwillig darauf an, verletzt zu werden, wenn man es genauer betrachtet hat eigentlich jede Form der Aggression (mal vom Beutetrieb abgesehen, der jedoch in einen anderen Funktionskreis gehört) den Zweck der Distanzvergrößerung zum auslösenden Reiz.

Leider ist es in unserer Gesellschaft so, dass ein Großteil der Hunde an der Leine geführt werden (müssen). Ein Hund an der Leine hat jedoch keinerlei Möglichkeiten, vor einem Reiz zu fliehen. Eventuell zeigt er dann Übersprungshandlungen, die jedoch vom Menschen meist falsch interpretiert werden, der den Hund weiter in die Begegnung „hineinzwingt“. Nun fallen also schon mal Flucht und Übersprungshandlung als Maßnahme weg, da nicht erfolgreich. Nun hat der Hund evtl. noch die Möglichkeit zu erstarren (wobei er auch dabei meist vom Halter weiter gezogen wird) – und dann? Was bleibt dem Hund, der nie gelernt hat, wie er sich in solchen Situationen benehmen soll, anderes übrig, als Aggressionsverhalten zu zeigen? Das muss nicht zwingend sein, dass der Hund sich auf den anderen drauf stürzt, das ist eine spätere Stufe in der Aggressions, vorher zeigt er diverses Drohverhalten. In der Folge schaffen es die meisten Hundehalter aber exzellent dieses Verhalten (unbewusst) zu verstärken: Erst einmal wird der Hund bestätigt in dem man ihm Aufmerksamkeit schenkt (egal, ob positiv oder negativ) und zum zweiten wird der Hund auch durch den anderen Hund bestätigt, nämlich dann, wenn dieser weiter seiner Wege geht, am Hund vorbei und – richtig, vom Hund weg. Distanzvergrößerung. Er hat das bekommen was er wollte, er weiß ja nicht, dass der andere Hund inkl. Halter ihn sowieso passiert hätten. Somit lernt der Hund ganz schnell, dass aggressives Verhalten, wunderbar geeignet ist, wenn man aus einer Situation nicht heraus kann.

Was kann man denn besser machen, mag sich der ein oder andere Leser fragen. Nun am besten wäre natürlich, man würde von klein auf Hundebegegnungen stressfrei trainieren. Wenn man das, aus welchen Gründen auch immer, versäumt hat und ein Leinenaggressionsproblem bei seinem Hund beobachtet, kann man daran immer noch arbeiten. Ein entsprechendes Training dauert jedoch seiner Zeit und folgt strengen Regeln. Daher ist es meistens sinnvoll, zu diesem Zweck einen Hundetrainer um Rat zu fragen.

Nicht immer ist es möglich, ein eingefahrenes Verhalten zu ändern. In den meisten Fällen schafft man es aber so weit, dass der Hund entspannt an anderen Hunden vorbei laufen kann. Wenn man am Ball bleibt.

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